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Thema: Zur Multirolle im Besonderen

  1. #1

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    Zur Multirolle im Besonderen

    Was ist ueberhaupt der Unterschied zwischen Multirolle, Baitcaster oder
    Low-Profile, ist das nicht alles das gleiche?

    Dazu kann der alte Barschzocker ein wenig erzählen. Brot ist ja auch nicht gleich Brot und doch ist es dasselbe...

    Nachdem die Angelrolle in Europa ein paarhundert Jahre nach den Chinesen etwa um 1650 in England neu "erfunden" wurde, war sie 200 Jahre lang auch nicht viel anderes als ein Reserve-Schnur-Behälter. Grund waren einfach die dicken Leinen- oder Baumwollschnüre.

    Nachdem sich erst vor knapp 150 Jahren die viel dünnere und damit auch auswerfbare Seidenschnur durchgesetzt hatte, konnte man auch kleinere Rollen bauen. Dabei gab es neben kleinen Schnurbehältern auch die groß-spuligen Nottinghamrollen, mit denen man auch zügig Schnur einholen konnte. Bald kam jemand auf die Idee, die Rolle quer zu legen und über die Spulenkante abzuwerfen. Die Wenderolle war geboren und aus dieser entwickelte sich die Stationärrolle.

    Bei einer der kleineren Rollen baute ein gewisser Herr Ustonson in London bereits vor 1800 die erste Übersetzung ein, die die Einholgeschwindigkeit multipliziert hat.- Die Multiplier- (Vervielfacher) oder einfach Multirolle war geboren. Soweit zum Namen des Gerätes selbst.

    Da das Ganze jedoch eine recht komplizierte Angelegenheit war, hat sich dieses Prinzip in Europa nicht recht durchgesetzt. In Amerika hingegen schien es in der zweiten Hälfte des 19. JH. eine Herausforderung darzustellen. Die ersten Multis wurden nicht von Anglern, sondern von Uhrmachern und Goldschmieden gebaut. Durch die Mechanik der kleinen Gewichte der ersten Fliehkraftbremsen waren die Teile auch sündhaft teuer (Sind sie ja heute gegenüber der Stationärrolle auch noch !) Jedenfalls hat sich das Teil in den USA durchgesetzt... und langsam schwappt die Welle 200 Jahre später wieder auf den Ursprungskontinent zurück.

    Da sich bei uns der Ausdruck "Wurfrute" beim Angeln inzwischen aufgeteilt hat in verschiedene Fachbegriffe, wie Matchrute, Feederrute, Spinnrute, Karpfenrute, Pilkrute usw. muß man sich einfach mal daran erinnern, daß "Bait Casting" übersetzt nichts anderes als Köder Werfen heißt - was letztendlich auch nur Wurf-Angeln bedeutet. Im direkten Unterschied zum Spinnfischen mit der Stationärrolle nennt man das Fischen mit der Multirolle nun eben neudeutsch Baitcasting und die Multirolle Baitcaster.

    Die Original Mulltis waren ja rund im Aufbau und standen recht hoch über dem Blank. Da sie ja aufrecht gefischt wird, suchte man natürlich nach Wegen, die Schnur wegen der entstehenden Torsionskrääfte möglichst dicht am Blank zu halten. Daher wurden die gekröpften Griffe entwickelt, wie sie im Video zum Beitrag zur Old-School-Rute zu sehen sind. Diese Rollen haben ein rundes Gehäuse und werden somit "Round-Profiler" genannt.

    http://www.youtube.com/watch?v=YVKLH...layer_embedded

    Späterhin wurde das Antriebsrad weiter nach vorn geholt und das ganze Getriebe gestreckt. Der Rahmen konnte damit deutlich flacher geahlten werden - das sind die "Low-Profiler". Für moderne Spinnrollen ist es eigentlich egal, welche man nimmt. Beide Arten haben sich zu leichtläufigen Wurfmaschinen entwickelt - so daß es eigentlich dem persönlichen Geschmack des Anglers überlassen bleiben kann. Beim Meeresangeln werden heute vorrangig Roundprofiler eingesetzt, während sich beim Süßwasser-Spinnfischen das Gewicht zugunsten der Lowprofiler zu neigen schein - vor allem, weil sie gewichtsmäßig leichter konstruiert werden können. Beim Jerken hingegen wird man vermehrt die offensichtlich stabileren Runden sehen. Ich persönlich jedoch finde, daß sich ein Unterschied von 20-30 Gramm nicht wirklich bemerkbatr macht.

    Die in Deutschland bekanntesten Marken für Baitcastrollen zum Spinnfischen sind ABU Garcia, Shimano und Daiwa. Leider haben sich die beiden letzten Hersteller noch nicht dazu durchgerungen, ihre High-End-Produkte um den halben Erdball zu exportieren, so daß die Beschaffung oft genug durch Eigenimport erfolgen muß. In den USA werden natürlich ebenfalls Hervorragenbde Rollen hergestellt. Hier sind Namen wie Pflüeger, Quantum oder Pinnacle ein Begriff. Daneben gibt es natürlich noch etliche Produzenten in Fernost, wo sich zB. Okuma recht gut etabliert hat.

    Auf den Hype, der sich in den letzten Jahren abzeichnet, sind natürlich auch etliche mehr oder werniger bekannte Marken aufgesprungen, um daran mitzuverdienen. Hierzu mache ich allerdings nur vage Andeutungen; allzuschnell kommt man sonst in den Ruf, Geschäftsschädigung zu betreiben.... aber soviel darf ich dazu sagen: Die Firma ABU Garcia hat neben seiner bekannten Revo-Serie auch eine Max-Serie "für den kleinen Geldbeutel" herausgebracht. Das ist gut und richtig. Jeder einigermaßen denkende Mensch muß sich natürlich fragen, warum sich dann die Revo´s noch verkaufen, wenn man die gleiche Qualität für 100 Tacken weniger haben kann.... weiterdenken kann der geneigte Leser selbst.

    Insofern ich inzwischen alles ab 2,5 Gramm mit der BC fische, möchte ich dem Einsteiger den Rat geben, wenn er die Baitcasterei ernsthaft betreiben will, nicht bei der Rolle zu sparen und nicht unter das Niveau etwa der Daiwa Viento oder Revo SX zu gehen - was etwa 150 Öckchen entspricht. Ich habe beide gefischt und mit der Viento den Tiny Fry 50 geworfen; mit der Revo SX spinne ich durchaus einen Mepps 1 (3 Gramm) durch die Gegend. (Für den Neueinsteiger heißt es bis dahin : Üben, üben, üben)

  2. #2
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    AW: Zur Multirolle im Besonderen

    Klausi, an welcher Uni hast du Angeln studiert?
    Gruß vom Mattes

    Zuhause ist da, wo das Land platt ist, Kühe und Pappeln rumstehn, der Nebel wabbert und Diebels getrunken wird.


  3. #3
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    AW: Zur Multirolle im Besonderen

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