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Thema: Kormoran aktuell

  1. #11
    GW-Forum Team
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    Avatar von Mattes
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    AW: Link: Kormoran aktuell

    So ganz verstehe ich Thomas als Biologe nicht !
    Es ist eine Meinung, Steini.

    Der Betroffenheitsgrad macht die Stimmung. Ich kann mich zurücklehnen, habe das Problem nicht. Das ist einfach. Jemand dessen jahrelange, mühevolle Hege den gesamten Bestand an autochthoner BaFo oder Äsche an den Rand des Zusammenbruchs bringt und der hofft, dass aus Resten der verbliebenen Population wieder ein neuer Bestand heranwächst, dessen Ruf kann ich verstehen.

    Was aber richtig ist und was nicht, übersteigt meine Weitsicht.

    Ich weiß nur, dass ich mit den Aal- und Amphibienzaunaktionen auch einen Eingriff vornehme. Lässt sich positiver darstellen, weil es sich als Rettung verkaufen lässt, ist aber auch ein bestandsregulierender Eingriff. Ist dies auch falsch?

    Bei der Grundel stellt sich die Frage nicht. Hier sind wir Zuschauer. Bricht die Population irgendwann zusammen? Wie stellt sich das Bild danach dar? Regulierung Fehlanzeige, trotz direkter Betroffenheit.
    Gruß vom Mattes

    Zuhause ist da, wo das Land platt ist, Kühe und Pappeln rumstehn, der Nebel wabbert und Diebels getrunken wird.


  2. #12
    GW-Forum Team Avatar von Steini
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    AW: Link: Kormoran aktuell

    Die einzelnen Fallbeispiele, ob Lachs, Äsche oder Aal, sind teilweise richtig heftig.
    Aber, wie soll man die vertreten, vieles kann man anders betrachten.
    Fest steht, Komorane fressen Fisch!
    Fische, die keiner weiteren Nutzung mehr zur Verfügung stehen.

    Die Menge der Futteraufnahme ist bekannt, die Anzahl der Vögel so in etwa auch.
    Es ergibt sich zwangsweise ein Ausfall, der leicht zu belegen ist.
    Die Frage sollte erst einmal lauten: Ist es für das Überleben der Art wichtig, dass er so groß ist ?

    Weiter dann, treten weitere Probleme durch die hohe Anzahl der Vögel auf ?

    Leider wurde der Komoran aber zur Sache der Weltanschauung.
    Die einen würden Ihn ausrotten, die anderen züchten.

    Zur Zeit züchten wir ihn.
    Wir füttern Ihn und sorgen dafür, dass er keine Feinde hat.

    Wenn der Bestand aber geregelt wird, werden beide Seiten versuchen, Einfluss zu nehmen.
    (Ist im Moment ja eigentlich auch schon so)
    Da teile ich dann die Meinung von Thomas, dass so etwas oft recht seltsam einseitig abläuft.
    Besser wäre es, nicht eingreifen zu müssen, das aber halte ich für nötig.
    Gruß Steini

  3. #13
    GW-Forum Team
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    Avatar von Mattes
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    AW: Link: Kormoran aktuell

    Mal angenommen ich treffe am Amphibienzaun einen Molch an, der äußerst selten ist. Dieser würde sich aber ausschließlich von einer Kleinkrebsart ernähren, die ebenso vom Aussterben bedroht ist und in seinem Zielgewässer vorkommt.

    Was habe ich zu tun?

    Ich will jetzt keine einfache Lösung. Ich möchte gerne wissen, ob ich dazu berechtigt bin, dies zu entscheiden.
    Gruß vom Mattes

    Zuhause ist da, wo das Land platt ist, Kühe und Pappeln rumstehn, der Nebel wabbert und Diebels getrunken wird.


  4. #14

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    AW: Link: Kormoran aktuell

    Zitat Zitat von Steini Beitrag anzeigen
    Besser wäre es nicht eingreifen zu müssen, das aber halte ich für nötig.
    Das Problem ist: wir haben schon eingegriffen!!!
    Flussbegradigungen, Wasserkraftwerke andere Querverbauungen uvam.
    Wir, der Mensch, hat das natürliche Gleichgewicht bereits so ins wanken gebracht, dass er jetzt die Pflicht hat eingetretene Schäden zu kontrollieren und gegebenenfalls zu kompensieren.
    Es ist unverantwortlich sich jetzt hin zu stellen und zu sagen die Natur macht das schon von allein.
    Wenn eine Spezies einmal ausgestorben ist, ist sie eben weg. Und wenn wir den Vogel weiter so rauben, lassen können wir unseren Enkeln z.B.: die Äsche auf bunten Schautafeln zeigen.

  5. #15
    GW-Forum Team Avatar von Steini
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    AW: Link: Kormoran aktuell

    Zitat Zitat von Mattes Beitrag anzeigen
    Mal angenommen ich treffe am Amphibienzaun einen Molch an, der äußerst selten ist. Dieser würde sich aber ausschließlich von einer Kleinkrebsart ernähren, die ebenso vom Aussterben bedroht ist und in seinem Zielgewässer vorkommt.

    Was habe ich zu tun?

    Ich will jetzt keine einfache Lösung. Ich möchte gerne wissen, ob ich dazu berechtigt bin, dies zu entscheiden.
    Nö, Du kannst es nicht richtig machen.

    Der Vergleich hinkt aber... Komorane sind nicht mehr selten.
    Was würde man unternehmen, wenn Rabenvögel sich auf die Eimer am Zaun einstellen würden ?
    Nicht nur einmal, sondern täglich und überall.

    Da ist ja das Problem, man muss eine Wertigkeit festlegen. Leider muss man sich entscheiden, es geht wohl nicht anders.
    2 Punkte würde ich betrachten:

    1. Wie sehr ist der Bestand der Art bedroht?
    2. Wie nützlich ist die Art für den Menschen?

    Über die Wertigkeit kann ich nur für mich aussagen, trifft 1. zu, ist Punkt 2. Nebensache.

    Punkt 2. kann ich nur nach bestem Gewissen beurteilen, liege ich aber auch langfristig richtig?
    Kann das überhaupt ein Mensch, sicher und endgültig entscheiden?

    Ja, viele können das ganz leicht.... , je weniger man weiß, desto einfacher ist das wohl.
    Gruß Steini

  6. #16
    GW-Forum Team Avatar von Thomas
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    AW: Link: Kormoran aktuell

    Zitat Zitat von Steini Beitrag anzeigen

    Nicht nur der Mensch, sondern jedes Tier kann zu einer Ausrottung führen, wenn es sich unkontroliert vermehrt.

    ...

    Also, Thomas, an der Küste sind sie voll da.
    So alltaglich, wie eine Krähe.
    Wenn es mehr werden, werden sie auch nach Berlin ausweichen müssen, wenn die Fischer dieses denn zu lassen.
    Jedes Tier, der Mensch einmal ausgelassen, vermehrt sich nur bis zu seiner Kapazitätsgrenze. Diese Grenze wird von dem/den Ökosystem(en) vorgegeben, dabei sind auch noch andere Faktoren als Verfügbarkeit von Nahrung wirksam. Und in einer Räuber-/Beute-Beziehung rottet der Räuber seine Beute auch nicht aus. Beide Populationsgrößen oszillieren aber ständig gegeneinander.

    Wenn die Teichwirtschaften ihre gedeckten Tische abdecken könnten und andere Faktoren ausgeschaltet würden, die Fischpopulationen generell beeinträchtigen, würde sich vermutlich alles auf einem stabilen Niveau einpendeln, mit dem alle leben könnten.

    Damit es keine Missverständnisse gibt, Steini: an den Berliner Gewässern befinden sich seit Jahren genügend Kormorane, die täglich ihre 300-400 g Fisch benötigen.
    Trotzdem ist Berlin kein Problemspot.
    ~~~

    Ich weiß nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muss anders werden, wenn es besser werden soll.
    (Aphorismus von G.C. Lichtenberg)


    Gruß Thomas

  7. #17
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    AW: Link: Kormoran aktuell

    Uns fehlt zu dieser Diskussion eine gemeinsame Datenbasis.

    Ich empfehle die Kurzdarstellung vom Kormoranpapst Dr. Kohl, der auch im Auftrag der EU herzu arbeitet, als gemeinsame Datenbasis zu betrachten.
    Dr. Kohl betrachtet das Problem auch europäisch und genau da müssen wir hin.
    Ich hatte das Glück ihn auf der letzten AFGN Tagung kennen zu lernen, wo er allerdings zum Thema Äsche sprach, deren Schicksale aber stark miteinander verknüpft sind.

    Ein sehr guter Wissenschaftler, der sehr sachlich und kompetent durch die Materie führen kann.

    Ein Beispiel wie komplex die Thematik ist wird deutlich, wenn man sich mal den Vorgang des Vergrämens vornimmt
    Die Kormorane werden bei der Jagd und Nahrungsaufnahme gestört.
    Werfen ihre Beute ab oder würgen sie aus.
    Dann flüchten sie kurzzeitig.
    Die Fische sind bereits tot oder werden sterben.
    Diese verlorene Nahrung nimmt er dann später an anderer Stell erneut auf.......
    Damit hat dieser Vorgang doppelten Schaden angerichtet.

    Soll ich seine Darstellung des Problems hier mal verlinken?
    Geändert von dat_geit (17.11.11 um 18:43 Uhr)

  8. #18
    GW-Forum Team Avatar von Thomas
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    AW: Link: Kormoran aktuell

    Mach mal,

    das letzte Beispiel ist aber ein alter Hut. Und Energie hat der Vogel dabei auch noch unnütz vergeudet, die er wieder hereinholen muss.

    Oder die Tatsache, dass Kormoranpopulationen erfolgte Abschüsse über erhöhte Brutaktivität zu kompensieren vermögen.

    Die Grenze ist eben der Kapazitätswert K ... und der muss für unsere schwarzgefiederten Freunde erniedrigt werden, eine andere Lösung, die nicht mit beständigen Einschränkungsmaßnahmen einhergeht, sehe ich nicht.
    ~~~

    Ich weiß nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muss anders werden, wenn es besser werden soll.
    (Aphorismus von G.C. Lichtenberg)


    Gruß Thomas

  9. #19

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    AW: Link: Kormoran aktuell

    Deswegen sollte man an die Gelege gehen.
    Eine Möglichkeit, (so habe ich mal irgendwo gelesen) wäre, die Gelege mit Öl besprühen.
    Oder aber wie in BW schon praktiziert die Vögel von den Nistplätzen aufscheuchen und solang zu stören bis die Eier ausgekühlt sind.

  10. #20
    GW-Forum Team Avatar von Thomas
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    AW: Link: Kormoran aktuell

    Ebenfalls altbekannt.

    Das Besprühen mit Öl wurde vor allem in Skandinavien angewandt. Um das Aufschrecken während der Brut in BW (Beispiel Bodensee, NSG Radolfzeller Aachried) gibt es es inzwischen ein Urteil, das genau diesen Eingriff als rechtswidrig eingestuft hat.
    Siehe meinen Beitrag #4 in:
    http://www.gw-forum.de/showthread.php?238-Dauer-bis-Kormoraneier-ausgek%FChlt-sind&p=3460&highlight=kormoran#post3460

    A
    uch bei Gelegeeingriffen wird sich der Kormoran über erhöhte Brutaktivität wieder weiter an die Kapazitätsgrenze heranarbeiten ... es ist anscheinend nicht so einfach, wie einige denken mögen.
    ~~~

    Ich weiß nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muss anders werden, wenn es besser werden soll.
    (Aphorismus von G.C. Lichtenberg)


    Gruß Thomas

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