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Thema: Karpfenbesatz in Schleiengewässer

  1. #1

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    Karpfenbesatz in Schleiengewässer

    Hallo,

    mein Verein bewirtschaftet einen kleineren Altarm der keine Verbindung mehr zum Fluss hat.

    Der Fischbestand besteht hauptsächlich aus Schleien, Rotaugen, Rotfedern, Barschen und Hechten.

    Die Ufer haben größtenteils dichten Baumbestand und sind zum Teil mit Schilf und Calmus bewachsen, Unterwasserpflanzen gibt es kaum.

    Der Grund ist ursprünglich sandig, hat aber durch Laub, Totholz etc. auch eine leichte Schlammschicht gebildet.

    Schleie und Hecht dominieren die Faenge.

    Für die Schleien gab es vor 5 Jahren mal einen Stützbesatz, die Fische wachsen gut ab. Natürliche Fortpflanzung scheint stattzufinden, aber nicht in jedem Jahr erfolgreich zu sein. Der Entnahmedruck ist mäßig.

    Nun plant die Verwaltung zusätzlich zum bisherigen Bestand ca. 100kg/ha fangfähige Karpfen zu besetzen, was bei mir auf Widerspruch stößt.

    Meiner Meinung nach entspricht das in einem Naturgewässer nicht den Grundsätzen der Nachhaltigkeit und Hege, da die Karpfen dort nicht natürlich vorkommen und sich der Besatz ggf. negativ auf den autochthonen Schleienbestand und evtl. auch auf das ganze Oekosystem (Gründler/Wassertrübung) auswirken könnte.

    Mit dieser Meinung stehe ich aber ziemlich allein da.

    Was halten die Fachleute hier davon?

    In einem künstlichen Fischteich läge der Fall natürlich anders, aber es handelt sich ja um ein Naturgewässer.
    Geändert von Suutari (22.11.20 um 12:40 Uhr)

  2. #2
    GW-Forum Team Avatar von Thomas
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    AW: Karpfenbesatz in Schleiengewässer

    Hallo Suutari,

    Dein Standpunkt zu einem evtl. Karpfenbesatz ist absolut stimmig.

    Die Karpfen würden auf andere Cypriniden , vor allem die Schleien, hohen Konkurrenzdruck ausüben. Ihr müsstet eher froh sein, dass es in diesem Altarm bisher keine (oder kaum) Karpfen gibt.

    Also: bloß nicht, Finger weg von einem Karpfenbesatz.
    ~~~

    Ich weiß nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muss anders werden, wenn es besser werden soll.
    (Aphorismus von G.C. Lichtenberg)


    Gruß Thomas

  3. #3
    GW-Forum Team Avatar von Albert
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    AW: Karpfenbesatz in Schleiengewässer

    wie Thomas beschrieben kann von einen Spassbesatz an Karpfen nur abgeraten werden.
    Alle Weißfische, nicht nur die Tincas, würden an Menge und Qualität leiden und verdrängt werden.
    Das wirkt sich dann auf die Hechte aus, da weniger Futterfische zur Verfügung stehen.
    Die Alternative wäre in paar Jahren, Weißfischbesatz zu fordern. Aus der Spirale kommt Ihr dann nicht raus.

    Ein 5 Kg Karpfen benötigt je nach Fischnährtierchenentwicklung 10-20m² Bodengrund um satt zu werden, und das täglich!!!
    Gruß
    Albert

  4. #4
    Avatar von Günter
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    AW: Karpfenbesatz in Schleiengewässer

    Zitat Zitat von Suutari Beitrag anzeigen
    Hallo,

    mein Verein bewirtschaftet einen kleineren Altarm der keine Verbindung mehr zum Fluss hat.

    Der Fischbestand besteht hauptsächlich aus Schleien, Rotaugen, Rotfedern, Barschen und Hechten.

    Die Ufer haben größtenteils dichten Baumbestand und sind zum Teil mit Schilf und Calmus bewachsen, Unterwasserpflanzen gibt es kaum.

    Der Grund ist ursprünglich sandig, hat aber durch Laub, Totholz etc. auch eine leichte Schlammschicht gebildet.

    Schleie und Hecht dominieren die Faenge.

    Für die Schleien gab es vor 5 Jahren mal einen Stützbesatz, die Fische wachsen gut ab. Natürliche Fortpflanzung scheint stattzufinden, aber nicht in jedem Jahr erfolgreich zu sein. Der Entnahmedruck ist mäßig.

    Nun plant die Verwaltung zusätzlich zum bisherigen Bestand ca. 100kg/ha fangfähige Karpfen zu besetzen, was bei mir auf Widerspruch stößt.

    Meiner Meinung nach entspricht das in einem Naturgewässer nicht den Grundsätzen der Nachhaltigkeit und Hege, da die Karpfen dort nicht natürlich vorkommen und sich der Besatz ggf. negativ auf den autochthonen Schleienbestand und evtl. auch auf das ganze Oekosystem (Gründler/Wassertrübung) auswirken könnte.

    Mit dieser Meinung stehe ich aber ziemlich allein da.

    Was halten die Fachleute hier davon?

    In einem künstlichen Fischteich läge der Fall natürlich anders, aber es handelt sich ja um ein Naturgewässer.


    Da euer Gewässer keine Verbindung mir dem Fließgewässer hat kann man es als geschlossenes betrachten.
    ABER da ihr keine oder Kaum Karpfen habt und überwiegend Schleien Besatz würde ich da auch keine Karpfen dazu setzen eher Schleien. War das Gewässer früher mal zum Fließgewässer verbunden und es hatte auch Karpfenbesatz sind mit Sicherheit geringe Mengen Karpfen noch vorhanden. Und 100kg fangfähige Karpfen auf 1 ha sind zu viel und vernichtet euch den Schleienbestand da sie die Schleien verdrängen.
    Wir werden das Wasser erst missen, wenn die Quellen versiegt sind.

  5. #5
    Themenstarter

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    AW: Karpfenbesatz in Schleiengewässer

    Danke für Eure konstruktiven Ratschläge.

    Ist ermutigend, wenn man mit seiner Einschätzung nicht ganz alleine dasteht.

  6. #6

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    AW: Karpfenbesatz in Schleiengewässer

    Mich wundert die einseitige Berichterstattung hier.
    Ich würde mir eher die Frage stellen, wieso die Verwaltung (Mitglieder eines Angelverein, Vorstand eines Vereins, Behörde) auf den Karpfenbesatz kommt.

    Wenn es dann nur darum geht, dass die Angler/Mitglieder zu wenig fangen, kann man ja den Schleienbesatz erhöhen.

    Vielleicht bringt das Gewässer aufgrund von Kormoraneinfall zu wenig Ertrag, so dass sich kein anglerisch attraktiver Schleienbestand ausbilden kann, so dass Karpfen aushelfen sollen.

    Ich persönlich finde regelmäßigen Karpfenbesatz in nährstoffreichen strukturarmen Waller-Kormorangewässern klasse, aber in dem von dir beschriebenen Gewässer eine Sünde.
    Lässt sich auch kaum wieder reparieren, da Karpfen 40 Jahre im Gewässer bleiben können und selten entnommen werden. Besonders wenn die 5kg Marke überschritten ist.

    Ich würde also zuerst fragen, warum der Karpfenbesatz durchgeführt werden soll und dann Alternativen vorschlagen.

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