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Thema: Aal, Europäischer (Anguilla anguilla)

  1. #1
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    Aal, Europäischer (Anguilla anguilla)

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    Systematik:


    Klasse:Strahlenflosser (Actinopterygii)
    Ordnung: Aalartige (Anguilliformes)
    Unterordnung: Anguilloidei
    Familie: Flussaale (Anguillidae)
    Gattung: Flussaale (Anguilla)
    Art: Europäischer Aal

    Wissenschaftlicher Name: Anguilla anguilla


    Flossenformel:

    D 245–280
    A 191–235


    Größe:

    Weibchen: (selten) bis zu 150 cm, in der Regel bis 130 cm
    Männchen: 50 cm in Ausnahmen bis 60 cm


    Gewicht:

    Weibchen: bis zu 6 KG
    Männchen: bis ca. 400 Gramm


    Beschreibung:

    Der katadrome Wanderfisch hat einen langgestreckten, schlangenförmigen Körperbau. Die vordere Hälfte ist drehrund, die hintere seitlich zusammengedrückt. Rücken-, Schwanz- und Afterflosse sind zu einem Flossensaum verbunden. Er hat keine Bauchflossen. Der Körperbau des Aals ist sehr muskulös. Sein Maul ist oberständig mit bürstenartigen Zähnen. In seiner sehr dicken und schleimigen Haut befinden sich kleine tiefsitzende Rundschuppen. Diese werden ab dem 3. bis 4. Jahr im Süßwasser gebildet.

    Das, in den Stadien als Weidenblattlarve und Glasaal transparente Tier wird als Steig- oder auch Gelbaal auf dem Rücken dunkelbraun bis oliv und auf der Bauchseite gelblich. Kurz vor der Abwanderung als Blankaal wird der Rücken bis hin zu schwarz und die Bauchseite grauweiß bis silbrig.


    Nahrung:

    Je nach Nahrungsvorkommen in seinem Habitat entwickelt sich der Aal unterschiedlich. Man unterscheidet zwischen Spitzkopf- und Breitkopflaal, welche jedoch lediglich ernährungsphysiologische Varianten ein- und derselben Art sind. Der Spitzkopfaal ernährt sich überwiegend von Insekten, Würmern, Schnecken und Pflanzen. Der Breitkopfaal favorisiert kleine Fische, Fischlaich und Krebse. Auch Frösche und Mäuse können schon mal auf dem Speiseplan stehen. Er wird auch als Raubaal bezeichnet. Durch ihre unterschiedliche Ernährungsweise sind Breitkopfaale in aller Regel wesentlich korpulenter und wachsen schneller ab, als ihre Artgenossen, die sich zum Spitzkopfaal entwickeln.

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    Foto: Hein Diegelmann - Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Fotografen.

    Entgegen der landläufigen Meinung ist der Aal definitiv kein Aasfresser. Den berühmten abgetrennten Pferdekopf suchen die Tiere allenfalls als gutes Versteck auf.


    Lebensweise:

    Der Aal ist ein äußerst flexibler Jäger, der zwar vorwiegend nachtaktiv ist, jedoch durchaus auch tagsüber anzutreffen ist. Obwohl er auch im Mittelwasser kleinen Fischen nachstellt, findet man in ebenso in den Uferbereichen, vornehmlich dort, wo andere Fische ihren Laich ablegen.

    Seine Rückzugsgebiete sind Steinpackungen, unterspülte Wurzelbereiche und Aalröhren, die er sich in den Schlamm gräbt.

    Sein Geruchssinn ist außerordentlich gut entwickelt. Die röhrenförmigen Riechorgane sind zum stereoskopischen Riechen fähig, was bedeutet, dass der Aal in der Lage ist, "dreidimensional" zu riechen. Im berühmten Vergleich wird gerne der Tropfen Flüssigkeit auf das 58-fache des Bodensees herangezogen. Viel interessanter jedoch dürfte es sein, dass der Aal in der Lage ist, alleine an den vorhanden Geruchsmolekülen anderer Aale in den Mündungsbereichen von Flüssen zu erkennen, wie viele Gelbaale in den Habitaten der jeweiligen Flusssysteme bereits angesiedelt sind, um hiernach seinen Aufstieg zu entscheiden. Einige der Tiere verbleiben jedoch in den Flussmündungen, unmittelbar in Küstennähe.

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    Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Fotografen: Sebastian Hänel Red. FISCH & FANG

    Im späten Herbst zieht sich der Aal zur Winterruhe in sein Versteck zurück. Dort harrt er bis zum Frühling und dessen steigenden Temperaturen aus.

    Vorkommen:

    Ost-und Nordsee, so gut wie alle Binnengewässer Europas und Nordafrikas. Der Aal bevorzugt Bäche, Flüsse und Seen, deren Untergrund es zulassen sich dort zu vergraben. Weicher, schlammiger, nicht fauliger Grund. Hierbei sucht er auch die noch so verzweigtesten Kanäle und Gräben auf.


    Fortpflanzung:

    Der Aal dürfte wohl der faszinierendste Fisch in unseren Gewässern sein. Er unterscheidet sich nicht nur sehr auffällig durch seine Körperform von anderen Fischen, auch sein Lebensweise und seine Art sich fortzupflanzen ist einmalig.

    Ist der Aal geschlechtsreif, beginnt seine zweite große Reise. Im Alter von 15 - 18 Jahren wandert er zurück in das Gebiet seiner Geburt. Dies tun zwar viele Fische, jedoch ist die zu überwindende Strecke beim Aal erstaunlich. Als Wanderfisch wird der Aal in der Sargassosee im Atlantik, nahe dem Bermudadreieck als Larve geboren. Die Larve, von einem Öltropfen in der Schwebe gehalten, driftet 3 Jahre lang mit dem Golfstrom in unsere Regionen. Driftet, trifft dabei nur zum Teil zu. Nach neuesten Erkenntnissen ist die Larve durchaus zu eigenen Schwimmbewegungen und somit zur Steuerung fähig.

    Lange Zeit war ungeklärt wie sich der Aal überhaupt reproduziert. Erst 1922 wurden die ersten Weidenblattlarven in der Nähe der Bermudas entdeckt und als solche auch erkannt. Vormals hatte man beispielsweise auch die Aalmutter in Verdacht ihr Ursprung zu sein.

    Nach drei Jahren treffen die Larven dann an unseren Küsten ein. In dieser Zeit und mit dem Aufstieg in unsere Flusssysteme reifen die Larven zu Glasaalen. Zirka 7 cm lang und durchsichtig. Mit ihrem Aufstieg vollziehen sie die nächste Wandlung. Sie werden zum sogenannten Steig- oder auch Gelbaalen. Die Färbung des Bauches ist für die Namensgebung verantwortlich. Nun suchen sich die Aale ihre Habitate und wachsen ab.

    Während die Männchen schon mit 6 – 9 Jahren geschlechtsreif werden, dauert es bei den Weibchen zirka 10 – 15 Jahre. Ist die Zeit gekommen, wandern die Tiere zwischen August und November, vorwiegend des nachts wieder ab. Diese Reise, in der pro Jahr bis zu 5000 km zurückgelegt werden, kostet die Tiere alle Reserven. Insgesamt kann diese Reise bis zu drei Jahre dauern und sie beträgt zwischen 4000 und 7000 km. Nach ihrer Paarung sterben sie ab. Der Zyklus beginnt erneut.

    Das Geheimnis, dass sich solche Strecken vom einem Tier zurücklegen lassen, liegt in ihrem Anlegen von Reserven, während ihres Daseins in unseren Gewässern. Der Aal besteht zu 30 % aus Fett, bevor er auf Wanderung geht. Diese Reserven braucht er dabei vollkommen auf. Erlangt ihn sein Signal zu Wanderung mittels Hormonen (Prolaktin) anderer Blankaale, verwandelt sich sein Körper gänzlich zugunsten der Vermehrung. Er stellt innerhalb von vier Wochen die Ernährung ein und entwickelt seinen Verdauungsapparat zugunsten der Geschlechtsorgane völlig zurück, seine Augen vergrößern sich und der After zieht sich ein.

    Eine Reise voller Gefahren beginnt.

    Die Paarung an sich, konnte bis heute nie beobachtet werden. Weder bei den europäischen, amerikanischen, afrikanischen, oder asiatischen Aalarten.

    Die inneren Organe:

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    Gefährdung:

    Der Aal steht seit 1998 auf der roten Liste der bedrohten Arten. Mittlerweile bekommen dies auch die Angler in Form von stark rückläufigen Fängen zu spüren. Zwar gibt es immer noch hohe Fangquoten, die einige Angler an den Tatsachen zweifeln lassen. Diese Quoten sind jedoch auf die hohen Besatzzahlen der vergangen Jahre zurück zu führen. Bis 2009 wurden insgesamt 10 Millionen vorgestreckte Aale in deutsche Flüsse ausgesetzt, um die Bestandszahlen zu stützen. Ohne diese Maßnahmen wäre die Wirklichkeit wohl greifbarer.

    Dies sind die Bedrohungen, deren sich der Aal ausgesetzt sieht:

    • Umweltgifte: Ein Aal, der 18 Jahre in unseren Flüssen gelebt hat, sich dabei durch Schlamm und Sediment gewühlt hat und dort seine Nahrung sucht, hatte reichlich Zeit fettlösliche Gifte aufzunehmen. Während seiner Rückwanderung in die Sargassosee verbraucht er all seine Fettreserven. Alle im Fett gelagerten Gifte werden hierbei wieder frei gesetzt. Unfruchtbarkeit ist hier eine mögliche Folge.


    • Ein weiteres Problem für die Abwanderung können die Schwimmblasenwürmer darstellen, die mit dem asiatischen Aal in unserer Gewässer eingeschleppt wurden. Sie schädigen die Schwimmblase des Aals und beeinträchtigen die Funktion dieses zur Orientierung wichtigen Organs. Gerade auf der langen Reise durch das Meer benötigt der Aal dieses Organ, um kräftesparend sein Ziel zu erreichen. Mittlerweile ist bei vielen Tieren eine Resistenz gegen den Schwimmblasenwurm festgestellt worden.


    • Erreicht der Aal dann dennoch sein Ziel und schafft er es tatsächlich abzulaichen, stehen die Larven vor dem nächsten Problem. Durch die Klimaerwärmung ist der Golfstrom abgedriftet. Es wird somit ungleich schwerer für sie, unsere Flussmündungen zu erreichen, als dies in früheren Jahren der Fall war. In wie weit die Schwimmfähigkeit der Larven dem entgegentreten kann ist ungewiss.

      Siehe hierzu: Mögliche Einflüsse des Klimawandels auf die Fischerei von Prof. Schreckenbach


    • Schafft es ein Glasaal bis an die Küsten Europas, wird er feierlich von den Glasaalfischern vor Portugal und Frankreich empfangen. Der Fang von 50 Millionen Tieren wurde alleine in 2010 für Frankreich bewilligt. Diese Tiere wandern in den internationalen Küchen zu hunderten in einer einzigen Portion als frittierte Delikatesse in die Münder derer, die sich eine höhere Potenz davon erhoffen. Insgesamt kommt in den Flussmündungen gerade Mal noch 1% des Aufkommens an, welches in den 80er Jahren dort eintraf.


    • Dieses eine Prozent steigt nun wahrhaft die Flüsse hinauf. Dort wo Querverbauten auf sie warten ist Schluss mit der Wanderung. Fehlende Habitate und neue gefiederte Fressfeinde erwarten ihn stattdessen. Schlechte Bedingungen für ein gesundes Abwachsen.


    • Berufsfischer und Angler holen sich natürlich auch ihren Teil der Beute. Sie beruhigen sich in aller Regel damit, dass es schließlich bedrohlichere Gründe gibt und ihre Entnahmezahlen den Braten kaum fett machen.


    • Hat der Aal es geschafft alle diesen Gefahren 18 Jahre lang zu entgehen, trifft er auf seiner Rückreise auf unsere „grüne“ Stromgewinnung und seinen sicheren Tod. Wasserkarftwerke rühmen sich ihrer Umweltverträglichkeit und zerschreddern dabei Tonne um Tonne an Fisch. Gerade der Aal durch seine gestreckte Form und seinem eher treibenden Vorankommen bei der Rückwanderung ist besonders anfällig für hohe Mortalitätsraten in den Turbinen. Die Zahl der Opfer werden von den Betreibern geschönt bis verschwiegen.


    Weiterführende Informationen hierzu im Netz:



    Der Aal wird vermutlich aus unseren Gewässern verschwinden. WRRL und Umrüstungen der Kraftwerke gehen nur langsam von statten. Würden die Probleme des Aals allesamt von heute auf morgen verschwinden, bräuchte er immer noch gut 80 Jahre um seine Populationsstärke aus den Zeiten von vor 50 Jahren wieder zu erreichen. Andere Quellen sprechen gar von 200 Jahren.


    Weiterhin interessant:

    • Aalblut ist giftig. Es ist somit nicht ratsam einen Aal auszunehmen, wenn man offene Wunden an den Händen hat. Brechreiz und Lähmungserscheinungen können die Folge sein. Durch die Erhitzung während des Garvorgangs wird das Gift neutralisiert.


    • Zur Altersbestimmung zieht man nicht wie üblich die Schuppen der Tiere heran. Die Untersuchung zur Altersbestimmung ist vergleichsweise schwierig. Hierfür wird eines der drei Gehörsteinchen heran gezogen. Speziell präpariert lassen sich unter dem Mikroskop die Jahresringe zählen.


    • Die Landwanderung: Hierüber gibt es die verschiedensten Geschichten zu lesen. Sicher ist der Aal im Stande eine gewisse Strecke über Land zu kriechen, jedoch hält sich die Fähigkeit in Grenzen. Der Boden muss sehr feucht sein, ist er trocken, "geht" der Aal freiwillig keinen cm darüber. Gründe für die unfreiwillige Wanderschaft können Abwandertrieb, Gewässerverunreinigung und Nahrungsmangel sein. Zu diesen Wanderungen ist er befähigt, da Aale auch durch die Haut atmen und so gut 50% ihres Bedarfs damit decken können.


    • Hindert man Aale am Abwandern, zum Beispiel durch Besatz in geschlossene Gewässer, können diese um die 50 Jahre alt werden. Der älteste dokumentierte Aal wurde 88 Jahre alt.


    • Blankaale können (z.B. in Gefangenschaft) aufgrund ihrer Fettreserven bis zu 4 Jahre ohne Nahrung auskommen


    • Der Aal gilt als einer unserer wichtigsten Speisefische. Sein äußerst delikater Geschmack, ist ihm zu Ehre gereicht. Künstliche Vermehrungsversuche sind bislang kläglich gescheitert. Auch wenn eine künstliche Reproduktion gelingt, scheitert es doch daran, den Larven die richtige Nahrung zur Verfügung zu stellen. Jüngst sind erste Erfolge bei der künstlichen Aufzucht asiatischer Aale gelungen.


    • Der Aal war "Fisch des Jahres" 1995


    Interessante GW-Forum Berichte zum Aal:

    Die vergessenen Aale

    Weblinks/Quellen:

    Wikipedia
    fishbase.org
    IFB-Aalheft
    Geändert von Georg (14.12.10 um 20:43 Uhr)

  2. #2
    GW-Forum Team Avatar von Steini
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    AW: Aal, europäischer (Anguilla anguilla)

    Mattes,
    ich bin begeisterer!
    Da steckt sehr viel Arbeit drinn.

    Was ich mir bis heute noch nicht erklären kann, ist das verteilen der Glasaale auf die Flüsse.
    Hier wird immer darauf verwiesen das sie den vorhandenen Bestand richen.

    OK, möglich und bei dem Geruchssinn auch sehr wahrscheinlich.
    Was mich stutzig macht, sind die Strömungsverhältnisse an der Küste.
    Die Strömung drückt das Wasser von der Biskaja, durch den Ärmelkanal in die Nordsee.
    In der Nordsee dreht sich das Wasser gegen den Uhrzeigersinn, es stromt also an der Deutschen Küste entlang weiter nach Dännemark und Norwegen.
    Wenn es in allen Flüssen solch einen Rückgang giebt, warum schwimmen sie dann, von Spanien/Frankreich kommend, an etlichen Mündungen vorbei und besiedeln noch immer das gesammte Gebiet.
    Die Glasaale erhalten so ja keine Info wie hoch der Bestand in den Gewässern vor Ihnen ist.
    Dann müsste Gewässer auf Gewässer im Bestand aufgefüllt werden um weiter zu wandern.
    Meine einzige Erklärung hir zu, die Aale besiedeln die Gewässer gegen die Strömung.
    Dann müssten sie, vom Atlantik kommend durch die Nordsee zu uns gelangen.
    Dann aber sollte die Fischerei auf Glasaale keinen so großen Einfluß auf die Bestände in Nordeuropa haben.

    Würden sie erblich geprägt, wurden sie sich aber weiter unterscheiden, da wurden ja schon Untersuchungen gemacht.

    Da muss es noch was geben,.... meiner Meinung.

    Ach ja, Raubaale entwickeln sich immer dann wenn Mangel an Futter ist.
    Die sind auch bei weitem nicht so fett.
    Fisch ist eben Magerkost, mann wächst, aber kann keine Reserven anlegen.
    Mit dem Fettgehalt hängt aber wohl das Abwandern zusammen.
    Könnte ein Grund sein warum in besten Aalgewässern nur Spitzköpfe vorkommen und diese hier, nicht mal besonders groß werden.
    Richtig groß werden nur Breitköpfe, wenn sie nach vielen Jahren Erfahrungen als Raubfisch mal ein gutes Jahr haben, und dann werden auch sie fett.

    Das Geschlecht der Aale ist nicht bestimmt, sondern entscheidet sich erst in den ersten Jahren im Süßwasser.
    Futterangebot, Wachstum und Themperatur sollen da Einfluss haben.
    Klingt verrückt, ist aber bei Fischen nicht ungewöhnlich.


    Steinbeißer

  3. #3
    GW-Forum Team Avatar von Mattes
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    AW: Aal, europäischer (Anguilla anguilla)

    Hi Steinbeißer,

    danke für das Lob. Es hat zwar Mühe gekostet die Informationen zusammen zu tragen, aber dennoch basieren sie auf angelesenes Wissen und rein theoretischen Erfahrungsaustausch.

    Weder bin ich Zoologe noch Wissenschaftlicher. Also bleibt mir auch nur zu spekulieren.

    Der Geruchssinn spielt aus meiner Sicht auch eine große Rolle für das Aufstiegsverhalten. Die Frage ist, ob sie zudem noch eine Art genetischen Impuls bekommen. Entgegen anders lautenden Meldungen, sollen sie ja durchaus dazu in der Lage sein, im Golfstrom aktiv zu steuern, zumindest ab einem gewissen Zeitpunkt, auch wenn erst kurz vor Ende der Reise.

    Zur "Füllung" der Habitate sehe kein reihenmäßig angelegtes Belegen, sondern ein tröpfelndes. Ein steter Anstieg der Anzahl, bis irgendwann die Duftmoleküle der Maße signalisiert: Dieses Habitat ist gesättigt.

    Die Sache mit dem "Verschwimmen" wird ganz komplex. Wir wissen ja nicht welche Dynamik ein Glasaal zu verwirklichen mag, um seinen Ausstiegspunkt abzupassen. Noch weniger wissen wir, wie es sich anfühlt in einem verdiffteten Strom zu reisen. Es reicht ja aus einen Jahrtausende währenden Rhythmus leicht zu irritieren und es kommt etwas ganz anderes dabei heraus. Man möchte an dieser Stelle fast philosophisch werden.

    Die Glasaalfänge vor den anderen Küsten sind ja nicht stabil geblieben. Ohne Zahlen zu kennen, müssen auch sie mit stark zurück gegangen Fängen klar kommen. Ob dies nun in der Verdrifftung zu suchen ist oder an der allgemeinen Lage? Keine Ahnung.

    Es ist und bleibt ein höllisch spannendes Thema.
    Gruß vom Mattes

    Zuhause ist da, wo das Land platt ist, Kühe und Pappeln rumstehn, der Nebel wabbert und Diebels getrunken wird.


  4. #4
    GW-Forum Team Avatar von Georg
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    AW: Aal, europäischer (Anguilla anguilla)

    Das Wanderverhalten von Fischen und deren Orientierungsmöglichkeiten sind bisher nur unzulänglich erforscht, um so spannender ist die Suche nach entsprechenden Informationen.
    Es hat sich in letzter Zeit viel getan, bei Lachsen konnte nachgewiesen werden, das sie sich anhand des Magnetfeldes orientieren können, Junglachse orientieren sich beim abwandern neben den Strömungsverhältnissen auch an Temperaturdifferenzen.
    Der Geruchssinn ist beim Aal zwar stärker (vermutet) ausgeprägt als bei anderen Fischen, jedoch sollten die verbleibenden Möglichkeiten zur Orientierung, ein paar hatte ich oben schon genannt, nicht ausgeschlossen werden.
    Es bleibt ein spannendes Thema!

  5. #5
    GW-Forum Team Avatar von Mattes
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    AW: Aal, europäischer (Anguilla anguilla)

    By the way, wo Georg es gerade noch mal schreibt. Die meisten Artikel, die hier vom Team geschrieben werden, gehen in der Regel noch mal über die Bildschirme aller im Team. Es werden Korrekturen vorgeschlagen und Ergänzungen eingefügt. Somit ist es oft eine Teamarbeit, die das Ergebnis prägt. Das Lob muss also dem Team gelten.
    Gruß vom Mattes

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  6. #6
    GW-Forum Team Avatar von Albert
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    AW: Aal, europäischer (Anguilla anguilla)

    Habe interessante Infos über den amerikanischen, japanischen und europäischen Anguilla gefunden:

    das-geheime-leben-der-aale
    Gruß
    Albert

  7. #7
    GW-Forum Team Avatar von Mattes
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    AW: Aal, europäischer (Anguilla anguilla)

    Danke Albert,

    schöner Lesestoff. Nur schade, dass Aalgeschichten nie mit einem Happy-End aufhören.
    Gruß vom Mattes

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  8. #8
    GW-Forum Team Avatar von Mattes
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    AW: Aal, europäischer (Anguilla anguilla)

    Habe dem Aalportrait nun eine Übersicht seiner inneren Organe spendiert.

    Dem vorausgegangen waren einige Fragen, die sich mir stellten.

    Zum einen, ob die Leber geschädigt ist, da diese schwarze Punkte an der Vorderseite aufweist und zum anderen die Form. Ist es normal, dass die Leber eingekerbt ist.

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    Weiterhin haben mich die kleinen Bläschen am Schwimmblasengang und unterhalb der Schwimmblase vor die Frage ihrer Funktion gestellt.

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Name:	Aal_Schwimmblasengang.jpg
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    Ich habe diese Fragen an Herrn Mock vom LANUV gereicht und heute Antwort erhalten.

    Sehr geehrter Herr David,

    mein Kollege Gerd Feldhaus bat mich, Ihre Fragen bezüglich der Organveränderungen beim Aal zu beantworten.
    Die Bläschen sehe ich auch zum ersten Mal, vermutlich handelt es sich aber nicht um irgendwelche parasitären Cysten, sondern lediglich um Gewebe- bzw. Fettablagerungen.

    Eine Einkerbung der Leber ist auch relativ selten, kommt aber auch bei anderen Fischarten ab und zu vor. Die Blutungen in der Leber (schwarze Punkte) können mit dem Anguillicola-Befall in Zusammenhang stehen. Häufig kommt es durch den Schwimmblasenwurmbefall zu Sekundärinfektionen durch Bakterien in der Schwimmblase oder auch in der Leber.

    Ich hoffe, ich konnte Ihre Fragen zufriedenstellend beantworten.

    Mit freundlichen Grüßen
    D. Mock
    LANUV NRW
    Fachgebiet 26 - Fischereiökologie -
    Fischgesundheitsddienst
    Scheinbar kann Anguillicoloides crassus die Organe stärker schädigen, als ich bisher dachte.

    Zu den Bläschen: Im "Leitfaden für den Körperbau der wichtigsten mitteleuropäischen Süßwasserfische" von Jens Lehmann (1991) steht "Schwimmblasengang, leicht blasenartig erweitert".

    Ist mit blasenartig erweitert nun der Formübergang zur Blase an sich gemeint oder beschreibt er hier diese Bläschen? Dann aber müsste auch Herr Mock sie kennen.

    Hat jemand noch andere Darstellungen der inneren Organe des Aal vorliegen (außer Tesch - Der Aal)?
    Gruß vom Mattes

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  9. #9
    GW-Forum Team Avatar von Thomas
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    AW: Aal, europäischer (Anguilla anguilla)

    Zitat Zitat von Mattes Beitrag anzeigen

    Zu den Bläschen: Im "Leitfaden für den Körperbau der wichtigsten mitteleuropäischen Süßwasserfische" von Jens Lehmann (1991) steht "Schwimmblasengang, leicht blasenartig erweitert".

    Ist mit blasenartig erweitert nun der Formübergang zur Blase an sich gemeint oder beschreibt er hier diese Bläschen? Dann aber müsste auch Herr Mock sie kennen.
    Die initiierbare Erweiterung des Ductus pneumaticus dient den Aalen akzessorisch zum bestehenden Vermögen der Hautatmung, also der Sauerstoffversorgung des Körpers in Gesamtbilanz, Mattes.
    ~~~

    Ich weiß nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muss anders werden, wenn es besser werden soll.
    (Aphorismus von G.C. Lichtenberg)


    Gruß Thomas

  10. #10
    GW-Forum Team Avatar von Georg
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    AW: Aal, europäischer (Anguilla anguilla)

    ... wobei diese grobblasige Struktur durchaus auch auf einen fehlenden Druckausgleich zurückzuführen sein könnte, zumal sie direkt am ductus pneumaticus liegt. Hast Du diesen Aal mit der Angel gefangen Mattes? Wenn ja, wie lang war die Drillzeit?

    Die Leber sieht mir sehr homogen aus, trotz der Segmentierung, ob es sich wirklich um Einblutungen handelt, es können auch anderweitige Einlagerungen sein, könnte man in ein oder zwei Querschnitten besser beurteilen. Auf den ersten Blick sieht sie aber blande/unauffällig aus.

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