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Thema: Karpfen als Antwort auf Grundel und Kormoran. Gibt es Erfahrungen zum Karpfenbesatz?

  1. #1

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    Karpfen als Antwort auf Grundel und Kormoran. Gibt es Erfahrungen zum Karpfenbesatz?

    Hallo zusammen,
    habe neulich in einem anderen Forum gelesen, dass aufgrund einbrechender Weißfischbestände nachgedacht wird, vermehrt auf zweisömmrige Karpfen zu setzen. Insbesondere auch aufgrund der Kormoran- und Grundelproblematik.
    Mich interessiert, ob es Erfahrungen gibt, inwieweit Karpfen dem Gewässer Schaden zuführen können und welche Bestandsdichten dafür vorhanden sein müssen. Arlinghaus gibt als unbedenkliche Menge 50kg/ha an. Das könnten 4 Großkarpfen oder 50 Portionskarpfen sein.

    Sicher ist auch zu unterscheiden, ob es sich um einen nahrungsarmen Baggersee handelt oder um einen eh schon trüben alten Rheinarm.

    Hat jemand hier schon negative Erfahrungen mit Karpfen machen können?

    Hinzu kommt, dass Angler immer unzufriedener werden, weil diese kaum noch etwas brauchbares fangen.

  2. #2
    GW-Forum Team Avatar von Albert
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    AW: Karpfen als Antwort auf Grundel und Kormoran. Gibt es Erfahrungen zum Karpfenbesa

    Hallo Ralle,

    zum Gewässer solltest Du mehr Infos geben. Gibt es im Gewässer ein Grundelvorkommen?
    Ist es ein Rheinaltarm, muss mit Überflutung gerechnet werden. Da können sich Fische verabschieden.
    Mit einem Rückgang der Weißfische folgt ein Problem mit Raubfischen.
    Karpfen als Ausgleich um das Gewässer attraktiver zu machen sehe ich als ungünstig, ja kontraproduktiv an.
    50 Karpfen pro ha als Richtlinie würde ich nicht zustimmen wollen. Die Nahrungsgrundlage eines 2 Kg Karpfens sind 20 m² Bodengrund.
    Und das jeden Tag. Ist ein produktiver Bodengrund überhaupt vorhanden?
    Gruß
    Albert

  3. #3
    Themenstarter

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    AW: Karpfen als Antwort auf Grundel und Kormoran. Gibt es Erfahrungen zum Karpfenbesa

    Hallo Albert,
    es handelt sich um einen 40 Jahre alten Baggersee von ca. 20ha, der vor 10 Jahren vertieft wurde. Der See ist abgeschlossen und nur bei extremen Hochwasser gibts eine Verbindung zum Rhein, was nur alle 10 Jahre mal passiert.

    Die tiefsten Stellen sind um die 5m tief und es gibt viele Flachzonen. Allerdings ist der See mit Matten und Blocksteinen am Rand ausgelegt, wo sich seit ca. 3 Jahren die Grundeln sehr wohl fühlen. Schilf und ähnliches gibt es kaum. Aufgrund der vielen Wasservögel, Nutrias, Bisame ... sowie der Matten haben Seerosen und andere Uferpflanzen keine Chance.

    Das Wasser ist extrem nährstoffreich und trüb. In jedem Jahr gibts im Spätsommer Blaualgenprobleme. Unterwasserpflanzen gibt es in einigen Flachzonen ab Juli und dort sehr stark. Die genaue Pflanzenart ist mir unbekannt.
    Also neben Grundeln, Welsen und Kormoranen sind die Ufer ein Problem.
    Der Boden ist mit einer Sedimentschicht bedeckt, besteht aber aus Sand, der mit vielen Teichmuscheln durchsetzt ist. Dreikantmuscheln gibts auch an den Uferblocksteinen und im Wasser liegenden Ästen.
    Der See hat eine riesige Biomasse an Grundeln und seit der Grundelinvasion und der riesigen Kormoranmengen kaum noch Weißfisch. Auch Karpfen gibt es, allerdings fast alle ab 10kg aufwärts, da seit 10 Jahren nichts mehr besetzt wird.
    Der normale Karpfenangler angelt im Schnitt 4 Nächte pro Fisch. Der normale Angler hat höchstens mal einen Zufallstreffer.

    Jetzt ist die Frage, was zu tun ist. Weißfischbesatz bei dem Kormoraneinfall und den vielen Grundeln?
    Hechtbesatz? Die Hechte vermehren sich, was viele Kleinhechte beweisen.
    Barschbesatz? Barsche gibt es genug.
    Zanderbesatz? Es werden keine Zander gefangen, obwohl Zander bis 30 cm regelmäßig nachgewiesen werden. Wenn die nicht größer werden, liegt es vielleicht am Kormoran. Oder die Angler bekommen es bei dem riesigen Futterangebot nicht hin.
    Wallerbesatz? Sind drin, vermehren sich und sollen eher raus.
    Aalbesatz? Werden oft eingesetzt, aber schlecht gefangen (Futter genug).
    Jetzt wird über Karpfen/ Schleie nachgedacht, um überhaupt etwas an den Haken zu bekommen.
    Geändert von ralle80 (26.11.18 um 14:52 Uhr)

  4. #4
    GW-Forum Team Avatar von Albert
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    AW: Karpfen als Antwort auf Grundel und Kormoran. Gibt es Erfahrungen zum Karpfenbesa

    Hallo Ralle,

    zuerst die Komoranproblematik. Kommen die nicht erst im Winter und wenn es Frost gibt sind die Weißfische nicht durch eine Eisschicht geschützt?

    Nach Deinen Schilderungen eigentlich eine Vorlage für einen Hecht-Schleisee. Wenn die Grundeln wirklich eine große Biomasse gebildet haben werden Welse und Großbarsche
    kaum ein Gleichgewicht schaffen. Wenn es Hechte gibt und die vermehren sich auch, würde ich auf Besatz verzichten. Besatzhechte könnten durch den Altbestand kanabilisiert werden.
    Schwierig ist auch der fehlende Schilf/Rohr/Seggenbestand an den Ufern, welche die Kinderstube aller Arten ist.
    Einen größeren Karpfenbestand aufzubauen halte ich auch für nicht empfehlenswert. Die Wasserpflanzen drohen durch Sedimentaufwirbelungen zurückzugehen und zu ersticken.
    Dito die Teichmuscheln.

    Schwierige Kiste. Evtl. haben die anderen Foristen hier eine Meinung.
    Gruß
    Albert

  5. #5
    Themenstarter

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    AW: Karpfen als Antwort auf Grundel und Kormoran. Gibt es Erfahrungen zum Karpfenbesa

    Danke für die Antwort. Du hast Recht, die Kormorane sind den Winter da. Im Schnitt haben wir maximal zwei Wochen (eher weniger) eine Eisschicht, so dass der Schaden immens ist. Teilweise bis zu 50 Kormorane und es sich im Winter um durchzügler handelt, wirds schwierig.

    Strukturmaßnahmen sind nur schwer möglich, da Pachtgewässer mit Freizeitnutzung. Hecht-, Zander- und Welsbesatz ist sinnlos, da genügend Nachwuchs.
    Rotaugen- Brassen- Karauschenbesatz bei dem Raubfisch-, Grundelbestand und Kormoran?

    Die Angler fangen nur schlecht und man sieht kaum noch welche am Wasser. Viele weichen zu den Nachbarvereinen aus, wo reichlich Karpfen reingekippt wird. Ob das bei uns auch einen Sinn macht? Ansonsten sind wir irgendwann ein Verein ohne Mitglieder.

    Daher frage ich mich, wieviele Karpfen verträgt ein Gewässer und stelle ich den Bestand fest?
    In anderen Vereinen wird im Schnitt mehr als ein Karpfen pro 4-10 Stunden Sitzung gefangen, bei uns dauert es viel länger.
    Geändert von ralle80 (26.11.18 um 22:31 Uhr)

  6. #6
    Moderator Avatar von Steini (verstorben am 06.09.2019)
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    AW: Karpfen als Antwort auf Grundel und Kormoran. Gibt es Erfahrungen zum Karpfenbesa

    @Ralle
    Deine Überlegungen spiegeln genau das wieder was Ich wegen der Kormoranproblematik befürchte.

    Wenn man die Natur sich selbst überlässt, gibt es halt kaum noch Überschüsse die man nutzen kann.
    Überschüsse gibt es wenn man Konkurenten kurz hält oder/und die Lebensbedingungen der Zielart verbessert.
    (Nur Deppen glauben das es reicht Getreide auf eine Wiese zu werfen um später Überschüsse zu ernten, oder trumen das Natur ein Füllhorn sei)
    Angeln als Freizeitmöglichkeit ist dann zwar immer noch möglich, müsste dann aber eher auf C&R Basis stattfinden anstatt auf Fischereilicher Nutzung zu beruhen.
    Lehnt man das aus Tierschutzbetrachtung ab, mag aber die Angler auch nicht zahlenmäßig drastisch beschränken fördert man Naturschutzprobleme durch Überfischung.
    Nachfolgender Besatz ist nur eine Notlösung die weitere Problem schafft.
    Die Kormoranproblematik, fördert nun P&T wo C&R unterbunden wird.
    Wobei Karpfenbesatz vielleicht kritischer für das Gewässer ist als der Besatz mit Speiseforellen, letzteres aber in Stillgewässern eine noch naturfehrnere Betrachtung zugrunde liegt.
    Der Besatz mit Fangreifen Raubfischen ist dann noch eine Spur schlimmer, vor allem wenn es sich um fremde Arten wie Wels und Zander und Überbesatz handelt.

    Ich denke es gibt keine einzig "richtige" Antwort auf Deine Frage, denn es gibt zu viele unterschiedliche Betrachtungen was das Ziel sei.
    Du machst Dier viele Gedanken und das ist die richtige Antwort, die Meisten tun es nicht und wissen genau was zu tun sei und das Ziel ist.
    Letztere sind rücksichtslos und gefährlich, aber sie haben es einfach, weil sie keine Zeit verbrennen sich Gedanken zu machen.
    Letztere besetzen dann viel und falsch, oder stellen die Tierschutz oder Naturschutz-Extremisten.
    Die halten sich nicht mit Details und Folgen auf, dafür fehlt Ihnen das Interesse, das Wissen und die Zeit.

    Die Frage ist, ob die Angler bei Euch Karpfen fangen und nutzen wollen.
    Wenn nicht, das Gewässer braucht sie auch nicht.
    Anders herum brauchen Menschen Freizeitmöglichkeiten und Zugang zur Natur.
    Da wird ein geringer Karpfenbesatz, deutlich Naturfreundlicher sein, als viele andere Möglichkeiten.
    Wenn alle nur noch Raubfische fangen und essen wollen, dann wird Angeln zum Naturschutz Problem, ähnlich wie es auch der Karpfen sein kann.

    Das klingt nun weit ab vom Thema, aber hängt so denke ich schon zusammen.
    Wenn mn alles richtig machen will, dreht man sich im Kreis.
    Denn letztendlich leben in Deutschland zu viele Menschen um naturverträglich zu leben.

    Diese vielen Menschen haben viele gute Ideen.
    Leder fehlt Ihnen das Interesse sich mit Grundlagen, Natur und Folgen Ihrer Ideen zu beschäftigen.

    Sorry, Ich werde mich weiter zurücknehmen und weniger schreiben.
    Gruß Steini

  7. #7
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    AW: Karpfen als Antwort auf Grundel und Kormoran. Gibt es Erfahrungen zum Karpfenbesa

    Das Problem ist nicht das Wünschenswerte sondern das durch die Rahmenbedingungen mögliche.
    Naturnahe Bewirtschaftung versus Fangen bzw. Naturnutzung.

    Letztendlich möchte der Angler hin und wieder etwas verwertbares fangen.

  8. #8

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    AW: Karpfen als Antwort auf Grundel und Kormoran. Gibt es Erfahrungen zum Karpfenbesa

    Hallo Ralle,

    Ich mag mich täuschen, aber so ein bisschen habe ich den Eindruck, dass du dich innerlich schon mit dem Karpfenbesatz abgefunden hast.

    Eine klare Empfehlung in der Art, bis soundsoviel Kilo pro Hektar ist OK wird aber niemand geben können. Unser Fischereiverband rät soweit ich das im Kopf habe, den Bestand unter 12,5 kg/ha zu halten. Meine Vorgänger haben z.t. schon auch mal 150kg/ha pro Jahr, und das über viele Jahre besetzt. Dazu noch ordentlich Graser. Auch diese Gewässer sind nicht umgekippt. Aber natürlich haben die Pfützen einen erbärmlichen Ertrag. Weißfische fehlen, die Räuber bleiben weit hinter dem zurück was man erwarten könnte.
    Ich bin gerade dabei, die Bestände runter zu fahren um das langfristig wieder ins Lot zu bringen.

    Jeder Karpfen wird Auswirkungen auf dein Gewässer haben, wo die Grenze ist, die du zu akzeptieren bereit bist wirst du selbst rausfinden müssen.
    Ich kann dir nur raten, die Bestände möglichst gering zu halten und vor allem den Besatz zukünftig eng an den Vorjahresfängen zu orientieren um ein zu starken ständigen Bestand zu vermeiden. Bedenke dabei, dass sich deine Kameraden schnell an die einfachen Fänge gewöhnen werden, zurückfahren wird dann schwierig.

    Was die Grundeln angeht wäre ich übrigens nicht so pessimistisch (ohne eigne Erfahrung). Ich denke die Räuber schießen sich schon noch darauf ein und regulieren das. Auch die Raubfische müssen erst lernen das neue Futter zu nutzen. Ich hatte das bei uns vor Jahren mit den Signalkrebsen. Als die neu ankamen ist der Bestand förmlich explodiert, nach 5 Jahren ging das schnell wieder auf ein gutes Mass zurück.
    Geändert von Toni (29.11.18 um 16:32 Uhr)
    "Nicht Sieg sollte der Sinn der Dikussion sein, sondern Gewinn"
    Joseph Joubert

  9. #9
    GW-Forum Team Avatar von Thomas
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    AW: Karpfen als Antwort auf Grundel und Kormoran. Gibt es Erfahrungen zum Karpfenbesa

    Zitat Zitat von ralle80 Beitrag anzeigen
    Das Problem ist nicht das Wünschenswerte sondern das durch die Rahmenbedingungen mögliche.
    Naturnahe Bewirtschaftung versus Fangen bzw. Naturnutzung.
    Verstehe nur ich diesen vermeintlichen Widerspruch nicht ?
    ~~~

    Ich weiß nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muss anders werden, wenn es besser werden soll.
    (Aphorismus von G.C. Lichtenberg)


    Gruß Thomas

  10. #10
    Themenstarter

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    AW: Karpfen als Antwort auf Grundel und Kormoran. Gibt es Erfahrungen zum Karpfenbesa

    Vielen Dank für die Antworten.
    Das ist ja das Problem. Wir haben große Karpfen und kommen sicher auf 50kg pro ha, aber nur mit 5 Fischen je ha. Es findet auch keine Entnahme statt.
    Allerdings fehlen Weißfische komplett und wir haben dafür Grundeln und unter handlange Barsche in Massen.

    Die Angler wollen etwas brauchbares fangen und viele Mitglieder verlassen den Verein.
    Wenn nicht Erfolge kommen, können wir unsere Pachtgewässer aufgehen und der große überregionale Verein wird das Gewässer übernehmen und haben dann wahrscheinlich ganz schnell die 150kg Karpfen/ha.

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