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Thema: Gradkarpfen

  1. #1

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    Graskarpfen

    Lt. Verordnung über die Binnenfischerei in Niedersachsen ist der besatz von Graskarpfen ohne Genehmigung des LAVES illegal.
    Die Genehmigung wird zudem ausnahmslos nie erteilt.

    Nun sieht man immer wieder in Gewä¤sserordnungen, dass die Fischart "ganzjährig geschont" ist.

    Wie ist aus Sicht des Gesetzes damit umzugehen?
    Muss der Angler diesen Fisch wirklich zurücksetzen oder ist das Entnahmeverbot sogar nicht zu beachten, da gesetzeswidrig.

    Ohne Besatz sind die Fische ja nicht vorhanden...
    Geändert von Soltau (03.04.18 um 12:21 Uhr)

  2. #2

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    AW: Gradkarpfen

    Ich weiß nicht, wie es in NDS ist.
    In Bayern werden die Erlaubnisscheine vom Landratsamt gestempelt.
    Wenn dann da eine Regelung drinnen steht, ist die erstmal auch OK.

    Die Sinnhaftigkeit ist was anderes und auch, wie intensiv so ein Erlaubnisschein geprüft wird.

  3. #3
    GW-Forum Team Avatar von Steini
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    AW: Gradkarpfen

    Spannendes Thema.
    Ich denke wenn Du nur eine Angelberechtigung hast, musst Du den Bedingungen unter denen man sie erteilt halt befolgen.
    Du hast eine Angelberechtigung und nicht Verantwortung eigene Entscheidungen zu treffen.
    Was Du machen kannst wäre ja den Verantwortlichen Anzeigen, das dort Graser besetzt wurden und man sie nicht entnehmen darf.
    Schätze das verläuft im Sande, kein Interesse und weil der Besatz ja kaum nachweisbar ist.
    Aber Du wirst da dann vermutlich Probleme erhalten eine Angelberechtigung zu bekommen.
    Für so etwas kann man rechtlich aus einer Gemeinschaft ausgeschlossen werden.
    Anderes wäre der Fall wohl, wenn der Gesetzgeber eine Entnahme bestimmter Arten ausdrücklich verlangt.


    Gegenprobe.
    In der Aller ist der Rapfen eine Fremdart, darfst Du sie entnehmen wenn sie nicht extra vom Bewirtschafter geschützt ist?
    Nein, in Niedersachsen ist er ganzjährig geschützt.

    Spannend wird das wenn der Verein kein Maß für Welse bekanntgibt und sie sogar raus haben will.
    Vorrauseilende Naturschützer mit Tierschützgedanken werden nun jeden Wels töten...
    Hoppla in Nids. ist die Ges. Vorgabe 50 cm und es gilt das Tierschutzgesetz kein Tier sei unnötig zu töten.
    Wer da dann den 30cm Wels entnimmt, verstößt gleich gegen beide Gesetze.
    Was der Bewirtschafter dann nicht sagt oder vorgibt ist dann immer noch belanglos.
    Es gilt das Gesetz unter deren Auflagen bewirtschaftet und Auflagen erteilt werden dürfen.

    So sehe ich das wenigstens.
    Was nicht bedeutet das es wirklich so sein muss.
    ich verstehe halt viele Dinge in Deutschland nicht mehr.
    Gruß Steini

  4. #4

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    AW: Gradkarpfen

    Hallo,
    das was im Erlaubnisschein steht ist für den Angler bindend. Egal ob sinnig oder unsinnig. Dies dürfte auch egal sein um welches Bundesland es sich dabei handelt, denn hier greift das Strafgesetzbuch (StGB) als Bundesgesetz.
    Im §293 StGB wird die klassische Fischwilderei unter Strafe gestellt. Also das Fischen ohne Fischereiberechtigung - ein Offizialdelikt.
    Im §294 dagegen wird die Fischwilderei eines "grundsätzlich Fischereiberechtigten" unter Strafe gestellt - ein Delikt was nur auf Antrag des Fischereirechtsinhabers verfolgt wird.
    Der Eigentümer, und oder der Pächter ist der Fischereirechtsinhaber. Durch einen Pachtvertrag werden die Fischereirechte und Pflichten in vollem Umfang übertragen.
    Mit dem Fischereierlaubnisschein werden dem Angler die Fischereirechte durch den Fischereirechtinhaber nur in einem begrenzten Umfang übertragen. Dort werden z.B. Anzahl der erlaubten Fanggeräte, Mindestmaße für das spezielle Gewässer, Schonzeiten für das Gewässer, Entnahmegebote und - verbote usw. geregelt. Verstößt der Angler gegen die Beschränkungen im Fischereierlaubnisschein verletzt er fremdes Fischrecht, und der Straftatbestand der Fischwilderei (§294 StGB) ist gegeben.

    Hier der Gesetzestext.

    Wer unter Verletzung fremden Fischereirechts oder Fischereiausübungsrechts
    1.fischt oder
    2.eine Sache, die dem Fischereirecht unterliegt, sich oder einem Dritten zueignet, beschädigt oder zerstört,
    wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. (StGB §293) (Offizialdelikt – von Amtswegen verfolgt)

    In den Fällen des § 292 Abs. 1 und des § 293 wird die Tat nur auf Antrag des Verletzten verfolgt, wenn sie von einem Angehörigen oder an einem Ort begangen worden ist, wo der Täter die Jagd oder die Fischerei in beschränktem Umfang ausüben durfte. (StGB § 294)
    (Antragsdelikt – nur auf Antrag des Verletzten verfolgt)

    Hinweis: §292 StGB beschäftigt sich mit der Jagd.

    Es gibt jedoch noch so einige Ausnahmen, die ggf. in den einzelnen Bundesländern abweichen. Das Entscheidende ist oftmals ob ein Fisch in einem Gewässer "herrenlos" ist (ein Wildtier ist). Die Definition steht im BGB § 960
    "Wilde Tiere sind herrenlos, solange sie sich in der Freiheit befinden. Wilde Tiere in Tiergärten und Fische in Teichen oder anderen geschlossenen Privatgewässern sind nicht herrenlos."
    Und hier geht es jetzt in die Ländergesetze. Die Definition eines Privatgewässers kann von Bundesland zu Bundesland abweichen, da sie in den Landesfischereigesetzen steht.

    In NRW z.B. die Definition eines Privatgewässers
    § 1 LFischG
    (4) Privatgewässer sind stehende Gewässer, die gegen jeden Fischwechsel abgesperrt sind, an denen Alleineigentum, Eigentum zur gesamten Hand oder Miteigentum besteht und die
    a) zum unmittelbaren Haus-, Wohn- und Hofbereich gehören oder
    b) nicht größer als 0,5 Hektar sind.

    In Privatgewässern gibt es keine Fischwilderei. Hier kommt nur Diebstahl §242 StGB oder Diebstahl von geringwertigen Sachen §248a StGB in Frage.

  5. #5
    GW-Forum Team Avatar von Steini
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    AW: Gradkarpfen

    Zitat Zitat von Gekko gecko Beitrag anzeigen
    Hallo,
    das was im Erlaubnisschein steht ist für den Angler bindend. Egal ob sinnig oder unsinnig. Dies dürfte auch egal sein um welches Bundesland es sich dabei handelt, denn hier greift das Strafgesetzbuch (StGB) als Bundesgesetz.
    So soll es sein, bedeutet selbst wenn der Bewirtschafter totales C&R vorgibt, ist dem Folge zu leisten, im Konfliktfall kann man dort dann eben nicht angeln.
    Schwieriger wird es dann wenn der Bewirtschafter rechtlich geschützte Fische freigibt.......er kann es nicht und doch kommt das nicht selten vor.
    @gekko
    Wie ist das nun wenn der Bewirtschafter eines 1Ha See die Forellenfressenden Hechte auch in der Schonzeit befischen lässt.
    Darf und soll der Angler sie entnehmen, wenn man Ihm das vorgibt?
    Ähnliche Betrachtung gibt es ja auch in Vielen Salmoniden-Fließgewässern mit Hecht oder der oft sogar geschützten Quappe.
    Wie ist das wenn der Gesetzgeber gar die Entnahme alle ungeschützten Fische vorgibt und dabei sicher vor allem den staatlichen schutz und weniger die Wünsche der Bewirtschafter meint.
    Bei vielen Anglern ist gar die Vorstellung vorhanden das lediglich die Staatlichen Vorgaben dann zählen und die Erweiterungen des Bewirtschafters unwichtig sind.
    Heißes Thema wobei Ich denke, das die Staatlichen Vorgaben vom Bewirtschafter erweitert werden können.
    Wer das Gesamtpacket nicht befolgen will, fischt für mich schwarz, egal ob mit oder ohne ausgestellter Berechtigung.
    Gruß Steini

  6. #6

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    AW: Gradkarpfen

    Hallo Steini,

    wie schon geschrieben, ist das was im Erlaubnisschein steht für den Angler bindend.
    Verstoßen dort Anweisungen gegen gültige Landesfischereigesetze und Verordnungen ist das ein Problem des Fischereirechtsinhabers und nicht des Anglers.
    Ein Fischereirechtsinhaber kann sich ja auch aus Hegegründen Maßnahmen die unter den Mindestanforderungen gem. den Verordnungen der gültigen Fischereigesetze liegen von den Unteren oder Oberen Fischereibehörden genehmigen lassen.
    In diesem Fall, weiß der Angler das meistens nicht, wäre aber legitim.
    Des Weiteren gebe ich zu Bedenken, dass ein Verstoß gegen den Fischereierlaubnisschein in der Regel immer eine Straftat nach §294 StGB ist, und ein Verstoß gegen das Fischereigesetz und oder der Verordnung zum Fischereigesetz lediglich eine Ordnungswidrigkeit. Selbst wenn man den Angler (was ich mir nicht vorstellen kann) in so einem Fall belangen würde, handelt es sich nur um eine Ordnungswidrigkeit, deshalb erachte ich es auch als sehr wichtig das Erlaubnisscheine von Fachleuten erstellt werden, die sich der Rechtslage bewusst sind, denn es können natürlich auch Verfahren gegen den Fischereirechtsinhaber, der einen Erlaubnisschein herausgibt eingeleitet werden.
    Die Vorgaben im Erlaubnisschein sind also höher zu Bewerten als die in den Verordnungen zum Fischereigesetz.
    Vorsicht ist geboten, wenn auch andere Bundesgesetze betroffen sind (z.B. Tierschutzgesetz).
    Geändert von Gekko gecko (06.04.18 um 11:30 Uhr)

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