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Thema: Westliche Ostsee - Dorsch und Hering, Berechnung der fischereilichen Mortalität

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    GW-Forum Team Avatar von Albert
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    Westliche Ostsee - Dorsch und Hering, Berechnung der fischereilichen Mortalität

    Ich konnte gestern in Hamburg einem Vortrag von Dr. Christopher Zimmermann – Leiter des Thünen-Institut für Ostseefischerei beiwohnen, welcher überaus interessant war
    und einen Einblick in die Berechnung der Laicherbiomasse und Jungfische im Fanggebiet FAO 27 IIIc bei Dorsch und Hering gab.

    Durch den begrenzenden Zeitfaktor in der anschließenden Fragerunde hatte ich nachträglich per Mail 2 Fragen gestellt und bekam heute freundlicherweise Antwort von Dr. Zimmermann
    und den Vortrag zugeschickt.

    Zu den Fragen:

    Wie bewerten Sie die winterlichen Salzwassereinbrüche der letzten Jahre?
    Salzwassereinbrüche in die Ostsee: Aus Fisch-Sicht sind die fast vorbehaltlos vorteilhaft, weil sie das Bodenwasser erneuern und dadurch die Lebens- und Fortpflanzungsbedingungen vor allem für den Ostdorsch erheblich verbessern (und den Bestand damit produktiver machen). Allerdings ist auch das wieder komplizierter: So ab 2011 haben wir mehrere kleine Einstromereignisse feststellen können, die nicht zu einer grundlegenden Umwälzung und Erneuerung des Bodenwassers geführt haben, sondern eine sauerstoffreichere Blase am Meeresboden gebildet haben, die von sauerstoffarmem Wasser überlagert war. In dieser Blase waren viele Dorsche gefangen, die nach 20 Jahren Sauerstoffarmut am Boden dort aber keine Nahrung vorfanden - so kam es dazu,d ass ca 30% der Fänge an Ostdorsch in den folgenden Jahren aus „Magerdorschen“ bestanden, die dann nach dem Laichen auch einfach verhungerten, obwohl weiter oben (über dem „Topfdeckel“) weiter ausreichend Heringe und Sprotten vorhanden waren. (Das ist natürlich nur die 8-Zeilen-Version der Geschichte…). Einstromereignisse können ausserdem dazu führen, dass im Meeresboden festgelegte Gifte und Munition reaktiviert wird - es gibt einige Forscher, die diese Ereignisse insgesamt als eher nachteilig für das Ökosystem bewerten.
    Mit welchem ungefähren Prozentsatz berechnen Sie die Mortalität von Dorsch und Hering durch Prädatoren außer dem Menschen (Wasservögel, Raubfische, Meeressäuger)?
    Natürliche Sterblichkeit vs. fischereiliche Sterblichkeit: Das ist von Bestand zu Bestand und sogar nach Altersgruppe unterschiedlich, und nur für wenige Bestände haben wir „echte“ (also aus Daten modellierte) Werte für die Natürliche Sterblichkeit. Beim Westdorsch nehmen wir derzeit eine natürliche Sterblichkeit von 0,2 an (und höher für die jungen Altersgruppen: 0,8 für die Nulljährigen und 0,24 für die Einjährigen; die fischereiliche liegt bei 0,93), beim Westhering von 0,25 (und höher für die jungen Altersgruppen: 0,3 für die Nulljährigen und 0,5 für die Einjährigen; die fischereiliche Sterblichkeit liegt bei 0,41). Abgesehen davon, dass die derzeitigen fischereilichen Sterblichkeiten deutlich zu hoch sind, liegen sie zurzeit also beim mehr als vierfachen (Dorsch) bzw fast doppelt so hoch (Hering) wie die natürliche Sterblichkeit.
    Viel neue Informationen, welche man so kaum durch die Presse erfährt. Auch zu den Mengen, welche die Angler fangen, gab Dr. Zimmermann Informationen.
    (Kutterheimfahrten, Strandanglerinterview mit Kontrolle auf freiwilliger Basis usw.)

    Weitergehender Link für Interessierte:

    https://fischbestaende.portal-fischerei.de/Faofanggebiete
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    Gruß
    Albert

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